Probe & Musik!

Ein kurzes Probengespräch mit Frauenkirchenkantor Matthias Grünert

veröffentlicht am 11. April 2019 13:44 Uhr

Bad Elster/CVG. Im Zuge der 15. Chursächsischen Mozartwochen und der derzeitigen Proben kurz vor dem Symphoniekonzert »Mozartmesse Frauenkirche« am Samstag, den 13. April im König Albert Theater haben wir den Dirigenten und Frauenkirchenkantor, Herrn Matthias Grünert, ganz kurz zum Programm befragt, um etwas mehr über die musikalische Orchesterarbeit im Vorfeld zu erfahren. Viel Vergnügen!

Was ist die schönste Stelle des Konzertes?
Was macht die schönste Stelle eines Konzertes aus? Die lauteste, die leiseste, die anrührendste, die exaltierteste, die schnellste, die langsamste Musik …? Im Augenblick des Musizierens - bei all den vielen Schönheiten der Musikwerke - liegt doch das Glück im gekonnten Gelingen des Geprobten, dann, wenn ein jeder Musiker, Solist und Chorist musikalisch inspiriert das Beste in das Ensemble hineingibt.

Was ist die größte Herausforderung des Programms?
Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen – schrieb einst der Zeitgenosse Haydns und Mozarts Matthias Claudius, Dichter des bekannten Volksliedes »Der Mond ist aufgegangen«: Die Musiker und Choristen haben in den zurückliegenden Proben gemeinsam mit mir eine Reise durch die Werke des Abends, durch die Musikgeschichte der Klassik unternommen und diese Geschichte wollen wir erzählen. Es mag in keiner einzigen Minute langweilig werden, denn Vieles haben wir in Partituren aufgespürt und zum Klingen gebracht. Die Herausforderung ist nun, all die Affekte in unserer Klangrede spannend, lebhaft, nachdenklich, virtuos, filigran, kraftvoll, schmachtend ebenso wiederzugeben.

Warum der Titel »Mozartmesse Frauenkirche«?
Die Spaur-Messe von Wolfgang Amadeus steht als kleines Kunstwerk ganz im Mittelpunkt des Sinfoniekonzertes: Ein Werk, was auf Grund der beinahe barock anmutenden Festlichkeit auch desöfteren auf dem Spielplan der Frauenkirche steht. Vater und Sohn Mozart schätzten dieses Kleinod sehr und so erfreute sich diese Messvertonung auch nach Mozarts Leben einer größeren Beliebtheit. Das Programm habe ich wieder so zusammengestellt, dass Bezüge zu Mozarts Umfeld und Zeitgenossen hergestellt sind – wir wollen den Konzertbesuchern eine musikalische Geschichte erzählen, die sie ganz authentisch in die Jahre um 1800 herum entführt.

Welches Werk möchten Sie unbedingt auch zukünftig aufführen?
Haydns Sinfonien sind ein unerschöpflicher Quell an musikalischer Schönheit! Es sollte keine Spielzeit, kein Kalenderjahr verstreichen, in dem man als Ensemble, Instrumentalist oder Dirigent nicht mindestens eine solche Sinfonie zelebriert! Wir tun dies an der Frauenkirche in regelmäßiger Beständigkeit, ganz zum Vergnügen des Publikums!

Welche Partitur liegt zur Zeit in Ihrem Arbeitszimmer?
Viele Partituren finden sich gerade dort auf dem Notenpult meines Flügels, Ostern mit all den Aufführungen steht vor der Tür. Aber: Derzeit beschäftige ich mich sehr intensiv mit der Musik Cherubinis: Zu Jahresbeginn haben wir in der Frauenkirche einen live-Mitschnitt von gerade erst entdeckten Werken des Meisters realisiert, und von dieser Aufnahme habe ich nun den Erstschnitt vom Label Rondeau aus Leipzig erhalten – in die Partituren trage ich gerade meine Anmerkungen und Korrekturen ein, die dann der Tonmeister für die CD-Veröffentlichung einarbeitet. Im Oktober kann man das Ergebnis hören – und übrigens dann im Frühjahr 2020 auch im König Albert Theater, wenn unter meiner Leitung die einzige Sinfonie von Cherubini erklingt: Ein halbstündiges Meisterwerk!

Herr Grünert, wir danken Ihnen für dieses Probeninterview!